Willkommen im Faire Welt e.V. Marienberg


10 Jahre Weltladen Marienberg

Am 6. Dezember 1997 öffnete in Marienberg am Markt ein Weltladen.
Viele kleiene Leute an vielen kleinen Orten ...Welt verändern!
„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, 
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern“,

rief damals eine aufgeregte Weltkugel vom Schaufenster über den Markt.
Dies ist “der Laden, wo sich die Welt trifft, ein Stelldichein von Freunden, ein Ort, den man sich weitersagt“, so riefen die Veranstalter - hinein in eine neugierige Menge. Die hatte sich eingefunden und drängte im Flur vor dem Geschäft.
Der Zeitpunkt schien gut gewählt. Das Weihnachtsgeschäft begann zu brummen und in den Regalen lagen Dinge, die, so in Marienberg noch nicht gesehen, sich jetzt anboten, fremd und lockend zugleich: farbenbunte Stoffe, Figuren und Schmuck, dazu Trommeln, Pfeifen, Gläser mit Blasen, Taschen aus Leder und Tiere aus Gras, Spielzeug und Leuchter, duftende Stäbchen, Gewürze, Tee und Wein.
Alles das lag da und noch viel mehr und wollte erzählen von Wegen unter gelben Sonnen und dem Staub auf den Flüssen, vom Rhythmus zitternder Luft und dem Summen im Boden, vom Schwersein des Wassers und Kauern auf Stein, von schmerzenden Händen und singendem Holz, von Füßen, die tanzen und dem Geruch heißer Haut.

„Ist es nicht schön? Seht, was sie können, die uns gemacht haben. Schaut ins Gesicht den Frauen mit ihren Kindern an der Brust und an der Hand, schaut ins Gesicht den Männern, jung noch und oft schon das Ende der Zeit vor Augen. Ist es nicht schön...?
Hört ihre Frage, wie Gott so ungleich seine Liebe verteilt, wieso die einen für ihr tägliches Tun Gesundheit und Wohlstand erwarten, wo anderen nur Krankheit und Not übrig bleibt.
Ihr hier im Laden, Ihr seid Hoffnung, den Pflückerinnen am Kaffeestrauch und gebeugten Schnitzern, den Webern und Näherinnen, den Kindern in bröckligen Schulen auf der anderen Seite der Welt.
Nehmt uns aus den Regalen und zahlt mit Achtung. Was hier liegt, ist ehrlich gemacht.
Kinder haben dabei zugeschaut und die Frauen während der Arbeit manchmal gesungen.
Die Männer stampften mit den Füßen und freuten sich auf die Nacht.
Kauft uns und gebt den anderen, was ihnen gebührt.“

Haben wir diese Stimmen gehört damals und hören wir sie jetzt? Oder liegen da nur Dinge, wie andernorts auch, Abwechslung im Einerlei des Überflusses, ein Original!das ein klein wenig andere Weihnachtsgeschenk vielleicht, aber bestimmt zu teuer, und erst mal sehen, was in anderen Angeboten der Stadt noch so herumliegt?
Haben wir die Spuren gesehen in den Holzfiguren, die kleinen „Unsauberkeiten“ des Schnitzens? Jede ist anders und sie sind wohl die eigentliche Botschaft dessen, der das Holz vordem
in die Hand nahm. Der vergessene abstehende Span etwa, winzig, und die kleine Kerbe daneben vom ausgerutschten Messer, so dicht nahe Zeichen eines vertrauten Lebens unter fremden Himmeln halten wir da in der Hand. Fühlen wir das?

Dem Ereignis der Weltladeneröffnung vorausgegangen war im Juni des gleichen Jahres
die unspektakuläre und öffentlich nicht wahrgenommene Gründung des
Vereins „Faire Welt“ e. V. in Marienberg.

Acht Gründungsmitglieder zählte dieser kleine Verein. Christen aus den beiden evangelischen Gemeinden, der methodistischen und der lutherischen, starteten eine Bewegung, die es so bisher nur in großen Städten gab. Marienberg aber, die kleine Stadt auf dem Berg, sie zeigt es den anderen. Alle Warnungen ignorierend, wie auch die Hinweise auf schlechte Erfahrungen mit ähnlichen Projekten andernorts, wurde doch der Winzling „Faire Welt“-Verein aus der Taufe gehoben.

„Aufgabe und Ziel des Vereins ist die Förderung von Aktivitäten, die geeignet sind,
hierzulande das Verständnis für die Kulturen und sozialen wie ökonomischen
Bedingungen in der 2/3-Welt zu wecken bzw. zu steigern.“
Was sich in so spröder Sprache ausdrückt, zielte für das kleine „Häuflein Aufrechter“ von
Anfang an auf das Abenteuer Weltladen.

10 Jahre - und doch ist der Laden wenig bekannt geblieben. Weltladen, wo, was ist das?Madagaskar
Verständnis wecken für die Kulturen und sozialen wie ökonomischen Bedingungen, dazu hat der Verein wohl wenig beigetragen.
Klein angefangen, ist er klein geblieben. In den Schulen hat es drei/vier Projekte und Unternehmungen hierzu gegeben.
Zwei Vortragsabende zu Madagaskar und den Kaffeebauern in Nikaragua, das ist nicht viel. Und nicht viele waren es dann auch, die jeweils zuhörten.

Globalisierung und unser Mithängen im Netz der weltweiten Verstrickungen, das sind sehr
komplexe Themen.
Für und Wider gilt es zu bedenken:
Wider?
Natürlich, ja, doch wen interessiert es? Wer weiß schon, wie unser hektisches Fummeln
am Handy Bürgerkriege mit „ernährt“.
Tantal, seltenes Metall und immens wichtig für Computer und Handys, im Kongo liegt es in
der Erde und die Mächtigen dort haben Kindersoldaten und treiben Raubbau und lassen
unter erbärmlichsten Bedingungen schuften.
Die Wirtschaft hierzulande aber weiß das geschickt auszunutzen und die Börse spricht
Lob. Wen interessiert's ?
Kinder in Chinas Freihandelszonen beim Hemdennähen oder Fertigen von Fußbällen in
Pakistan oder schuftend in einem Steinbruch Indiens, stimmt das, wirklich?
Aber Geiz ist geil, das stimmt doch wenigstens.

Und Für, gibt es das?
Die Welt rückt zusammen. Und das ist gut. Die virtuellen Räume auf der Bühne für das
selbstherrliche Theater der Mächtigen sind plötzlich sehr reell und es wird immer enger.
Wir drängeln uns. Ein Bankencrash in Amerika und Ackermann und Co. müssen hier
erklären und beruhigen.
Ein Virus, irgendwo geboren im Schmutz, wandert mit Flugzeugen um die Welt.
Tschernobyl ist immer und überall und in feiner Strahlung verteilt auf Europa.
Die Hassreden denkverkrampfter Prediger in Moscheen nagen auch an unseren Demokratien.
Wirtschaft und Technik haben ihre Netze aus Abhängigkeiten über die Erde gespannt und nun zappeln wir darin, gute Zeiten für alle Terroristen.
Die Probleme holen uns ein, jeden von uns, die Reichen, weil ein Hurrikan die Börse zittern macht, und die Möchtegernreichen im geborgten Luxus auf einer sturmgepeitschten Urlaubsinsel.

Es lässt sich nicht einfach mehr delegieren, das Risiko nach Afrika und den Gewinn zu uns.
Eng sitzen wir beieinander im gleichen Boot und schöpfen über dem Leck. Das rettende Ufer können wir nur gemeinsam erreichen. Und das ist gut!

Chinesen, Amerikaner und die Scheichs in der Wüste verstehen das wohl auch noch.
Und wir, was verstehen wir, wirklich? Dass wir uns ändern werden, müssen, Lebensstil,
Erwartungen, Rechtsempfinden, Gottdenken? Ein bisschen viel auf einmal, unsere Welt
krempelt sich um und Sturm und Fluten schubsen und der kleine Weltladen schubst auch.
Nein, der nicht, er lächelt, ist ein bisschen wie das Paradies, eine kleine Schatzkammer,
hat Herzenswärme gesammelt und Hoffnung in die Regale gelegt.

„Gerecht um jeden Preis“, dieses Motto aus den Gründertagen gilt noch immer.
Gewinnmaximierung ist nicht Ziel des Ladens.
Geschäftserfolg bedeutet für ihn in erster Linie Wachstum an Vertrauen und Wiedergewinn
von Lebensmut für Menschen, deren Lebens- und Heimatrecht in dieser unserer Einen- Welt die Tür des Weltladens steht Ihnen offen!eingeschränkt und beschnitten wurde.

Es geht nicht um den Laden, es geht um ein Stück Gerechtigkeit, welche zu schaffen wir aufgerufen sind und wovon die Armen dieser Welt nicht aufhören können zu träumen.
Dafür steht die Tür des Ladens weit offen und halten seine ehrenamtlichen Mitarbeiter ihre Zeit bereit.

Ganz sehr soll an dieser Stelle deshalb gedankt sein denen, die immer, all die Jahre hindurch, für zuverlässige Öffnungszeiten, reibungslose Warenbeschaffung und und... gesorgt haben.

Und ganz sehr muss an dieser Stelle auch gedankt werden all denen, die den Laden in Treue besucht haben und für das Vertrauen, das ihm und seinem Verein damit entgegengebracht wurde!

Der Laden und seine Idee, sie sind auf diese Unterstützung weiterhin angewiesen und das auch in den nächsten 10 Jahren.
Matthias Kolditz
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